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#1 Selektives Entwurmen von Platinum 10.03.2014 23:47

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Hallo,
wer von euch macht auch das SELEKTIVE Entwurmen? Für Nichtkenner: Bei der selektiven Entwurmung wird nicht standardmässig 4mal im Jahr entwurmt, sondern zuvor anhand Kotprobe die Notwendigkeit einer Wurmkur bestimmt. Näheres unter: http://www.selektive-entwurmung.com/

Ich mache das jetzt mit Tino seit einem Jahr, also sprich von Anfang an. Unsere Stallkollegen machen das bereits seit vier Jahren und sind davon überzeugt. Hat sonst noch jemand Erfahrung damit?

#2 RE: Selektives Entwurmen von daemon-rider 11.03.2014 06:22

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Den Link hatte ich mir gerade letztes Wochenende angeschaut, weil bei uns im Stall wieder ein Aushang zur generellen Entwurmung hängt und ich schon eine Diskussion mit dem RL darüber hatte. Ich halte das für die Medizin von gestern, er beruft sich auf Empfehlung der FN...

Was kannst Du denn so über den Erfolg dieser Methode sagen? Gab's auch Fälle von verstärkter Verwurmung? Habt ihr zusätzlich etwas in der Pflege der Wiesen/Paddocks geändert?
Das würde mich jetzt mal interessieren...

#3 RE: Selektives Entwurmen von Shirana 11.03.2014 09:26

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Also ich entwurme eigentlich (fast) immer sekeltiv. Ganz wurmfrei bekommt man ein Pferd sowieso nie, das muss ja auch nicht sein (da gehen die Meinungen natürlich auseinander, aber die Natur hat's ja durchaus so eingerichtet, dass der Körper damit klar kommt, wenn's nicht zu viel wird). Und da ich möglichst wenig Medis und Chemie durch meine Pferde jagen möchte (die arme Leber!) füttere ich das ganze Jahr über Kräuter und entwurme wirklich nur nach Bedarf. Ausnahme: Dasselfliegen... Im Winter gibt's ne Wurmkur gegen die Mistviecher - und da es das halt meines Wissens nach nicht als Einzelwirkstoff gibt, kommt dann halt ne "normale" Wurmkur dran, die das beinhaltet.
Ich weiß, das ist inkonsequent, aber Magendasseln sind irgendwie in meinen Augen mit das Schlimmste.
Die Kotproben unserer Pferde sind eigentlich immer recht zufriedenstellend. Wir haben nicht viele Würmer. Die Ponys sind ja jetzt schon 11 oder 12 Jahre bei mir und hatten nie Probleme.
Der Tierarzt bei uns im Dorf findet so was ganz schlimm, der will alle Viecher (Hunde, Katzen bestimmt auch Wellensittiche) mindestens alle 3 Monate entwurmen, will aber auch, dass man Hunde jährlich gegen Tollwurt impft, obwohl der Impfstoff ja für 3 Jahre ausgelegt ist...
"Meine" Tierärztin aus dem Nachbardorf hat ein eigenes Labor und entwurmt ihre Pferde ebenfalls selektiv.

#4 RE: Selektives Entwurmen von Platinum 11.03.2014 10:28

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Hallo damon,
Also nachdem ich das erst seit knapp einem Jahr mache, habe ich noch nicht soviel Erfahrung. Tino war bei den proben letztes jahr knapp unter der im link genannten entwurmungsgrenze. Dieses Jahr war er absolut unauffällig. Von 5 Pferden, die wir testen haben lassen, war nur eins verwurmt (der kommt gerade aus einem Händlerstall). Diejenigen, die das schon seit mehreren Jahren machen, gab es bislang keine verstärkte verwurmung.
Den Paddock und die Koppeln werden von Anfang an jeden Tag abgemistet, in Ausnahmen jeden 2. Tag.
Ich habe letzte Woche mit der Fachärztin der LMU telefoniert. Bei Pferden im ersten Jahr der selektiven Entwurmung empfiehlt sie im Herbst einmal standardmäßig zu entwurmen um Spulwürmer und Magendasseln zu erwischen. Ansonsten sollte im ersten Jahr alle 8 Wochen getestet werden, im zweiten reicht es in der Regel 4mal im Jahr.

Ja Shirana, meine TA würde am liebsten auch 4mal im Jahr entwurmen und hält das selektive entwurmen für einen Schmarrn... Zum Glück kann man in der LMU auch als Privatperson einschicken und sich bezüglich dem Testergebnis telefonisch beraten lassen. Die sind auch wahnsinnig nett dort.

PS: wie kann ich denn, wie früher, auf alle geposteten Beiträge antworten? Bzw mir die vorherigen geposteten Beiträge während dem Antwort tippen anzeigen lassen???

#5 RE: Selektives Entwurmen von Neshad 11.03.2014 15:15

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Der Tierarzt, der bei meinem die AKU durchgeführt hat und den ich für sehr fähig halte, war Kotproben gegenüber negativ eingestellt. Er meinte, dass viele Stadien eines Wurmbefalls durch Kotproben nicht festgestellt werden könnten und auch nicht alle Wurmarten. Man könne eine negative Kotprobe erhalten und das Pferd trotzdem völlig verwurmt sein.

#6 RE: Selektives Entwurmen von Platinum 11.03.2014 19:16

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Aus dem Grund wird auch bei einem Monitoring (testen) nicht nur von einem Tag eine Probe genommen, sondern von drei Tagen hintereinander. Sollte also das Pferd zwar verwurmt sein, aber an dem Tag in dem Haufen keine Würmer ausscheiden, findet man am nächsten Tag welche. Außerdem wird alle 8 bis 12 Wochen getestet, dh die Wahrscheinlichkeit das ein verwurmtes Pferd als wurmfrei durch geht, ist gering. Natürlich besteht immer noch ein gewisses Restrisiko. Allerdings gibt es auch gewisse Anzeichen bei einem Pferd, die auf eine Verwurmung hindeuten. Zum Beispiel werden beim Testen keine magendasseln erkannt, aber die erkennt man vorallem bei dunklen Pferden sehr gut im Fell.
Kurzum: ich war am Anfang auch skeptisch und wollte Platinum sofort entwurmen, als meine TA das sagte. Nachdem ich mich aber weit reichend informiert habe und auch mehrere führende (nicht nur 0815 TA) Unikliniken dazu Doktorarbeiten verfassen, denke ich, dass das selektiven Entwurmen tatsächlich eine zukunftsweisende Methode ist.

#7 RE: Selektives Entwurmen von Neshad 11.03.2014 19:46

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Hm, das klingt interessant. Das mit dem drei Tage hintereinander wusste ich, aber kurze Frage dazu: Schickt man dann auch an drei Tagen hintereinander die Kotprobe ein? Man soll sie eigentlich frisch abgeben, wenn nicht möglich, im Kühlschrank aufbewahren. Nach ein, zwei Tagen sollen sie dann aber schon wieder weniger aussagekräftig sein. Deshalb scheint mir das mit der 3-Tage-Sammelaktion nicht wirklich möglich.
Dass man dann in diesem festen Wochenrhythmus Kotproben nimmt, wusste ich nicht, das klingt sinnig!

#8 RE: Selektives Entwurmen von Platinum 11.03.2014 21:13

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Wir mussten jetzt nochmal Proben abgeben, weil unsere Pferde als Testpferde für die Doktorarbeit der Uniklinik herangezogen werden und da meinte die TA, dass die Proben vom vorletzten Wochenende (also 7 Tage alte) nicht mehr auswertbar sind. Wir sammeln meistens Freitag,Samstag und Sonntag und schicken sie dann am Montag los und bisher gabs keine Probleme bei der Auswertung.

#9 RE: Selektives Entwurmen von daemon-rider 11.03.2014 21:44

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Sehr interessant. Danke für die Zusatz-Infos. Jetzt muss ich nur noch rausbekommen wo man hier in Luxusburg Kotproben analysieren lassen kann. Ich glaube mein Katzentierarzt schickt alles was er nicht im eigenen Labo untersuchen kann nach Deutschland... kann also gut sein dass es sowas hier noch garnicht gibt

Hahaha, ich sehe mich in Gedanken schon den DHL Transportschein ausfüllen um Pferdeäpfel nach DE zu exportieren...

#10 RE: Selektives Entwurmen von Platinum 14.03.2014 12:38

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der arme Postmann!

#11 RE: Selektives Entwurmen von Royal Farouche 29.09.2014 15:52

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Mal ne doofe Frage: Kann man die Kontrolle der Kotproben nicht selbst machen? Man könnte doch täglich Äppel mitnehmen und unters Mikroskop legen. Oder nicht?

#12 RE: Selektives Entwurmen von daemon-rider 29.09.2014 16:56

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Im Grunde genommen schon. Du brauchst eben nur ein einigermassen leistungsfähiges Mikroskop und eine Idee davon wie welche Wurmeier unterm Mikroskop aussehen. Meines Wissens wird bei der Analyse ja nach den ausgeschiedenen Wurmeiern geschaut, nicht nach den Würmern selbst...

Ich habe übrigens letzte Woche einen Bericht gelesen wonach es wohl demnächst auch möglich sein wird den Befall mit Magendasseln (der kann beim normalen Wurmtest nicht festgestellt werden) mit Hilfe eines Bluttests zu erkennen. Der Befall lässt wohl irgendein Eiweiss ansteigen was dann auch Auskunft über die Schwere des Befalls geben kann. Bin mal gespannt wie lange es dauert bis das zu den Landtierärzten durchsickert...

#13 RE: Selektives Entwurmen von Sunnyboy75 30.09.2014 22:50

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Zitat von Royal Farouche im Beitrag #11
Mal ne doofe Frage: Kann man die Kontrolle der Kotproben nicht selbst machen? Man könnte doch täglich Äppel mitnehmen und unters Mikroskop legen. Oder nicht?


Haben wir in der Jugendhilfeeinrichtung, in der ich gearbeitet habe, so gemacht. War immer spannend für die Azubis.

Ich denke, wenn man ein, zwei Pferde hält geht das selektiv. Bei rößeren Beständen würde ich es nicht machen. Und es kommt auch auf die Größe der Fläche und die Zahl der Pferde dort an, denke ich. Und daruaf, wie man abäppelt, bei uns wird das im Sommer zweimal, im Winter einmal täglich gemacht, also sehr häufig.

#14 RE: Selektives Entwurmen von Platinum 03.10.2014 00:10

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Hi ich hab Platinum im August nochmal testen lassen. Im Frühjahr lag sein Befund bei 200, also genau an der Grenze. Nach Rücksprache mit TA habe ich mich damals gegen das Entwurmen entschieden. Im August habe ich ihn nochmal testen lassen und einen Befund von nur 120 Eiern gehabt Nichtsdestotrotz werde ich ihm trotzdem im November die große Entwurmungskur geben, um mögliche Magendasseln und andere Würmer auszumerzen. Ich bin wirklich gespannt, wann der Magendassel Test auch an der LMU München angeboten und praktiziert wird.

Wie oft entwurmt hier bei der SE?

#15 RE: Selektives Entwurmen von Rebi 14.11.2014 09:12

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@ Royal Farouche: Wenn es so einfach wäre, dann hätte ich mir schon lange ein Mikroskop gekauft und würde wohl auch selektiv Entwurmen. In der Regel sucht man nach Parasiten in den verschiedenen Entwicklungsstadien z.B. Eiern, Zysten, Larven und nicht nach ausgewachsenen Würmern, die würde man in der Regel auch von Auge schon sehen. Ich kenne nur zwei Verfahren, das Sedimentationsverfahren, mischen mit Leitungswasser, sieben, stehenlassen, abgiessen und die einige Male wieder holen, danach die "Sosse" anfärben, damit man die möglichen Eier von den restliche Pflanzenfasern etc. unterscheiden kann. Es können nur schwere Eier mit dem Verfahren nachgewiesen werden z.B. Bandwürmer.
Dann das Flotationsverfahren, das habe ich selber viele Jahre gemacht im Labor. Dazu braucht es ein spezielles Behältnis und eine gesättigte Zuckerlösung. Die Probe wird mit der Lösung vermischt, sieben, in das Behältnis einfüllen, dann entweder zentrifugieren und abtragen auf einen Objektträger und unter dem Mik. anschauen oder so wie ich es kenne Objektträger oben drauf und stehen lassen und danach anschauen. Auch diese Methode eignet sich nicht für alle Parasiten.

Ich arbeite zwar seit 2003 nicht mehr auf dem Beruf und seither hat sich sicher einiges geändert. Die Fragen die sich mir stellen, werden verschiedene Verfahren an der selben Kotprobe durchgeführt, wie viele Tage hintereinander, wie viele Mal im Jahr? Es wird ein minimaler Bruchteil von Kot benötigt, wieso soll gerade da ein Parasit erkennbar sein? Wer untersucht die Proben, eine Tierarztpraxis, die dies nicht allzu oft macht oder wirklich erfahrene Leute aus einem Labor? Ich habe diese Untersuchungen immer als anspruchsvoll empfunden, neben den Pflanzenfasen und sonstigem, noch Parasiten zu erkennen. Am eindrücklichsten waren jeweils die Kotproben nach einer Wurmkur...

Ich empfinde nebst einer guten Hygiene die regelmässige Entwurmung immer noch als sinnvoll. Natürlich ist ein gutes Entwurmungsmanagement wichtig, dass man die Plagegeiser so früh wie möglich und im besten Stadium erwischt. Ich persönlich möchte nicht warten bis sie ausgeschieden werden oder gar erhöhte EOS Blutzellen nachweisbar sind, den da sind unter umständen schon Schäden vorhanden.
Ich habe einmal ein Fohlen an übermässigem Wurmbefahl sterben, nein eigentlich kann man sagen verrecken sehen und der Kleine hat bei mir bleibende Erinnerungen hinterlassen... (Nach seinem Tot wurde eine Autopsie gemacht und da wurde das Ausmass erst sichtbar).

Vielleicht kann mich jemand, der das selektive Entwurmen praktiziert, aufklären mit welchen Argumenten er/sie überzeugt wurde?

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