#1 Melanome beim Schimmel/ NICHT equines Sarkoid von Cristino 11.07.2020 00:42

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Ich möchte an dieser Stelle gern mal über den Verlauf von Melanomen sprechen, wie ich ihn seit 10 Jahren bei meinem "Cristino" verfolgen und erleben kann.
Natürlich ist es nur ein Beispiel, deckt sich aber doch mit den tierärztlichen und statistischen Zahlen, die sich an vielen verschiedenen Stellen im Internet finden lassen. Und trotzdem fällt mir auf, dass es in einigen Foren immer wieder Tipps & Ratschläge gibt, die mindestens mit Vorsicht zu betrachten sind.

1. Entstehung/ Diagnose
- ab ca. dem 5. Lebensjahr möglich, meist ab 10 Jahren - WARUM?
- die Vermutung liegt darin begründet, dass Schimmel Melanin bilden, das im Laufe der "Ausschimmelung" überproduziert wird (medizinisch bewiesen ist dies noch nicht!)
- äußerlich schwarze Knoten, vorwiegend an den Ohren/ Augen/ Schlauch/ Leisten/ Perianalregion, auch Schweifrübe # seltener am Bauch, Gurtlage
- Melanome sind nicht zu verwechseln mit dem Equinen Sarkoid, bei dem es auch andere Behandlungsmöglichkeiten gibt
- zu Beginn eigentlich immer gutartig

Abgrenzung der verschiedenen Tumorarten/ Erklärung (auch bebildert): www.equines-sarkoid.de

Tino:
- Entstehung im Alter von 10 Jahren
- zwei äußerlich sichtbare Melanome an der linken Leiste/ Oberschenkel - etwa in der Größe einer Erbse

Aufbau eines Melanoms in der Haut:



2. Entwicklung/ Behandlung:
- in den ersten Jahren stagniert das Wachstum oft, bzw. ist kaum zu bemerken (gutartiges/ benignes Melanom), oder auch solitär (vereinzelt, ohne Metastasen) genannt
- im Laufe der Zeit können jedoch auch die gutartigen Melanome metastasieren - insbesondere innerlich - so können sie sich irgendwann in einen bösartigen (malignen) Charakter wandeln
- hier gibt es je nach Tierarzt unterschiedliche Empfehlungen: von der Behandlung mit xx Terra (soll die Melanome zum Aufkeimen bringen), chirurgische Entfernung, Bestrahlung, Zufütterung, etc.
- liest man sich jedoch die Studien und Fachartikel durch, gilt der Grundsatz "weniger ist mehr" - allein die Berührung kann bei Melanomen einen Wachstumsschub auslösen
- schön beschrieben findet ihr die Entwicklung auch noch einmal hier: www.enpevet.de
- grundsätzlich gilt: das Immunsystem des Pferdes bestmöglich unterstützen, Stress vermeiden - insbesondere in Fellwechsel-Zeiten, hierzu gibt es zahleiche Anbieter, die die verschiedensten Präparate/ Ergänzungen anbieten (hier möchte ich keine Empfehlung für eine Seite, oder ein Produkt aussprechen, da beides (Fütterung und Stress) sehr individuelle Themen sind

Tino:
- in der Fellwechsel-Zeit (Frühjahr und Herbst) war ein leichter Schub zu verspüren
- insgesamt haben die beiden sichtbaren Melanome in der Leiste aber 8 Jahre gebraucht, um von Erbsen- auf etwa Haselnussgröße heranzuwachsen
- es entstanden viele, kleine Melanome an Schweifrübe, Perianalregion und im Schlauch
- alle im Bewegungsapparat/ Wohlbefinden nicht störend


3. Voranschreiten
- im Laufe der Zeit (in Verbindung mit dem Prozess des "Ausschimmelns") metastasieren Melanome im Inneren
- hier können aus gutartigen (benignen) Melanomen bösartige (maligne) Melanome werden
- es ist medizinisch davon auszugehen, dass sich nur ca. 10% der vorhandenen Melanome äußerlich zeigen, der Rest ist innerlich
- in Wachstumsphasen können Melanome zum Teil auch bluten, oder ausgelöst durch äußere Reize (Scheuern der Schweifrübe, etc.)
- die Melanome können die Organe und letztendlich das Lymphsystem befallen, womit die Lebenserwartung natürlich deutlich sinkt

Tino:
- mit ca. 16 Jahren konnte ich zwei große Melanome in der Schlauchtasche feststellen, diese behindern ihn nicht beim Urinabsatz, führten jedoch vermehrt zu Smegma & Dreck, der in der Schlauchtasche verblieb
- das wiederum führte zu schnelleren Harnwegsinfekten - ab diesem Zeitpunkt wurden regelmäßige Schlauchpflege/ Entfernung des Urinsteins Pflichtprogramm (obwohl man sonst eher vor übertriebenen Maßnahmen abraten würde)
- ein gutes Mittel, um chemiefrei dem Schlauch selbst zu helfen: www.ekwi-schlauchpflege.de
- im darauf folgenden Fellwechsel entstand nach kurzer Zeit ein Abszess in der Perianalregion - verursacht durch einen Wachstumsschub der Melanome
- seit der Abszess aufgegangen ist und Eiter/ Wundwasser ablaufen konnten, läuft nun seit 7 Tagen rein schwarze Flüssigkeit aus der Wunde


4. Sarkom
- dies ist der Zustand, wenn sich die malignen Melanome endgültig nicht nur solitär, sondern metastasierend in die tieferen Hautschichten eingedrungen sind und die Lymphknoten, das Lymphsystem und ggf. innere Organe befallen haben
- ein eindeutiges Zeichen hierfür ist bspw. das Aufplatzen von Melanomen, bei dem die schwarze Flüssigkeit herausläuft
- in der Folge magern die Pferde schleichend ab und werden matt
- häufig gehen mit dem schlechteren Allgemeinzustand und/ oder befallenen Organen auch andere Begleit-Erkrankungen einher (Kolik, Nierenversagen, Probleme beim Wasserlassen durch Abdrücken der Harnröhre, Nervenausfälle, etc.)
Tino:
- mit etwas Glück läuft diese Flüssigkeit "nur" aus der verkapselten Abszesshöhle (durch ein geplatztes Melanom heraus), mit Pech - direkt aus dem Lymphsystem


5. Ausblick/ Studien
- Behandlung/ Studie mit einem Impfstoff/ Melanomvakzine Oncept Merial, TiHo Hannover www.tiho-hannover.de, Artikel dazu in der www.pferderevue.at
- dendritische Zelltherapie www.immune-therapy.de

Tino:
- was Tinos persönlichen Ausblick angeht, kommt jede mögliche Hilfe in Form einer Therapie (bzw. eines Versuches) zu spät
- wie lange ihm und damit uns zusammen noch bleibt, kann ich derzeit nicht beantworten
- ich stärke weiterhin sein Immunsystem, pflege Schlauch, Wunde & Co, stehe im engen Kontakt zu meinem Tierarzt, um auch seine Blutwerte regelmäßig zu überprüfen
- aber schlussendlich ist es in dieser Phase auch wichtig, sich klare Gedanken zum Thema Erlösung zu machen - egal, wie lange man dies als Pferdebesitzer eigentlich aufschieben möchte

#2 RE: Melanome beim Schimmel/ NICHT equines Sarkoid von Bine 11.07.2020 06:04

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Hallo Christino,
Vielen Dank für den tollen Beitrag und die Links!
Als besitzerin von 2 Schimmeln und einem Schecken ein durchaus interessantes-und leider auch aktuelles-Thema für mich!
Mein alter Traki hat schon seit vielen Jahren Melanome unter der Schweifrübe, die auch (wenn auch langsam) wachsen und sich vermehren.
Dass ein so großer Anteil an Melanomen innen liegt war mir nicht bewusst.
Momentan geht es ihm gut, aber sollte er tatsächlich abbauen ist auf jeden Fall an eine Beteiligung der Melanome zu denken!

Ich hatte einmal einen kleinen Connemara im Unterricht bei dem es genauso verlief wie du es bei Tino beschreibst. Die sind ebenfalls aufgegangen und haben schwarze Flüssigkeit abgesondert.
Das Pferd lebte aber noch relativ lange zufrieden und schmerzfrei damit, man musste halt nur die Wunde gut sauber halten.
Gestorben ist er letztendlich an einer Kolik. Er war in gutem Allgemeinzustand und nicht geschwächt oder mager.
Ob die kolik letztlich durch innen liegende Melanome ausgelöst wurde kann man natürlich nicht mehr sagen, aber vielleicht gibt dir das etwas Hoffnung dass ihr mitunter trotz der Erkrankung noch lange Zeit miteinander habt!
Ich drück euch die Daumen!!

#3 RE: Melanome beim Schimmel/ NICHT equines Sarkoid von Neshad 11.07.2020 19:02

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Danke, gut zu wissen. Habe ja auch einen Schimmel.
Er schimmelt sehr langsam aus, ist mit 12 immer noch grau. Ob das wohl einen Unterschied macht...? Bisher habe ich noch keine Melanome entdeckt.

#4 RE: Melanome beim Schimmel/ NICHT equines Sarkoid von Cristino 13.07.2020 22:30

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@Bine - danke für Deine Aufmunterung.
Allmählich verschließt sich die Wunde durch den Asbzess und der TA war heute zur Blutabnahme da, damit man beurteilen kann, wie die Werte der inneren Organe sind. Aktuell spüle ich die Wunde nicht mehr mit Wasserstoffperoxyd, sonder mit Thuja C 200. Die Tinktur erweist sich gerade als richtig gut - aber hier sind wir natürlich schnell wieder bei individuellen Erfahrungen. ;)
Ich bin gespannt, aber die Hoffnung wächst so natürlich auch wieder, dass wir noch eine gute Zeit vor uns haben.
Wichtig ist mir, dass er nicht in einen Bereich kommt, wo er leidet. Die Diagnose an sich ist klar und aus dem Grund werde ich mich auch nicht an Strohhalme klammern, wenn sich sein Allgemeinzustand verschlechtert.

@Neshad -
Melanome sind ja nichts, was bei einem Schimmel zwingend auftreten MUSS. Statistisch gesehen sind ca. 80% aller Schimmel über alle Rassen hinweg jedoch betroffen. Und wie so oft, gibt es auch hier eine Ausnahme:
die Schimmel der American Quarter Horses. Diese Rasse ist nur zu ca. 20% betroffen. Mein letzter Kenntnisstand ist, dass dies medizinisch aber (noch) nicht abschließend erklärt ist.

#5 RE: Melanome beim Schimmel/ NICHT equines Sarkoid von smarten die 08.08.2020 17:19

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Ich habe - zum Glück - keine Erfahrungen mit eigenen Pferden.
Ein Bekannter hatte einen dunklen Schimmel, der wenig Melanoime, und bis zuletzt kaum Probleme hatte, dann aber beim Reiten tot zusammenbrach. Da war wohl ein inneres Melanom Schuld.
Ein anderes Pferd, Camargue-Connemara-Mix und sehr starker Charakter, aktuell 16 Jahre alt, hat schon sehr früh mit Melanomen begonnen, wurde auch mehrfach operiert (an Schlauch, Auge, After). Erst seit ca 1/2 Jahr baut er ab. Seitdem ist auch das Lymphsystem befallen, am Hals sind neue Melanome in den tieferen Hautschichten und in der Augenhöhle ist eins. Der After ist kaum noch zu erkennen, blutet auch oft. Hauptsächlich aber hat sich sein Verhalten und der Rang in der Gruppe verändert. Früher hat er gekämüpft und sich niemals die Butter vom Brot nehmen lassen. Jetzt ist er extrem schreckhaft geworden, und auch der Stoffwechsel ist in Mitleidenschaft gezogen, was man hauptsächlich an Fell und (besonders) Hufhorn sieht. Ebenso ist er nach kurzer Arbeitszeit sehr müde. Arbeiten - in geringem Maße - soll er für die Psyche. Schmerzen scheint er nicht zu haben. Er wird genbau beobachtet, und wenn es soweit ist, wird er "gehen" dürfen.

#6 RE: Melanome beim Schimmel/ NICHT equines Sarkoid von winningdash 29.08.2020 13:59

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Danke für den ausführlichen Bericht. Sarkoid war mir ein Begriff. Ich wußte aber nicht, dass Schimmel so aggressive Melanome bekommen können. Die Schimmel der Spanischen Hofreitschule zB. haben wohl eher Sarkoide. Wir -also Winni- leider jetzt auch , aber das ist gsd eben eher harmlos ...

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