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#31 RE: Grosse Anfangsprobleme allgemein von Passademo 29.07.2013 22:09

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Ach ist das schön solche Sätze zu lesen...ich habe mich vor kurzem in einem anderen Forum umgeschaut und festgestellt das man da nicht so einfach rein passt als Mensch mit Blüter Passion.
Ich denke ihr habt voll und ganz recht. Unsere Erwartungshaltung ist anders gegenüber "normalen Reitern" Aber das ist gut so denn deswegen verstehen wir uns mit unseren Hoppas und schauen über viele Tiefschläge hinweg wenn es nur ein was positives gab. Und so viel von dem geschriebenen kann man nur abnicken weil da wohl doch nicht zu verheimlichen ist das alle zur selben Familie gehören. Ich entdecke potenzielle Gefahrenquellen und mach mich schon drauf gefasst bevor sie ihren Sprint hin legen kann. Obwohl ich manchmal doch zu langsam bin. Und ihr habt Recht zwingen ist keine Lösung. Als es mit meinem Stütchen das erste mal an den Fluss ging führte da kein Weg rein als Reiter mit Pferd das andere Ufer zu erreichen. Typ Esel stocksteif keinen Schritt vor lieber nur zurück und das mit Hinterhandwendung wie ein Westernpferd und dann Gas geben um schnell von dem bösen Monster weg zu kommen. Also was tut man nicht alles ran geritten runter vom Pferd und eben an der Hand durch. Und jetzt geht sie mit einer Selbstverständlichkeit durch das ich echt grinsen muss. Für kein Geld der Welt würde ich meine Bekloppte mit der Hunde Panik wieder abgeben. Auch wenn ich mir die Haare manchmal raufe ist sie jeden Tag eine Bereicherung in meinem Leben.

#32 RE: Grosse Anfangsprobleme allgemein von Victoria_L 04.09.2013 17:19

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Ich kann mich nur Taff anschließen: ich finde es ganz ganz toll, was für ein toller Umgangston hier im Forum herrscht, und wie klasse es ist sich austauschen zu können und bei Problemen Tipps und Ratschläge zu bekommen. Ganz ganz toll !
Und es stimmt: VB-Leute bilden irgendwie eine Gemeinschaft

Wir hatten am Anfang viele Probleme, das größte war, dass meine Stute emotional total verstört war, und körperlich in einem üblen Zustand. So kam sie schon in den Stall in dem ich Reiten lernte, um Schulpferd zu werden. Da gings weiter bergab.
- Sie war ein klassischer Angstreter, Mensch wie Pferd gegenüber. Aus irgendwelchen Gründen hasste sich Männer (Egal wer, Besucher, mein Vater, der Stallmister einfach alle).
- Sie hasste andere Pferde, keilte ohne Vorwarnung aus.
- Box war ihr Hoheitsgebiet. Schnellte mit gefletschten Zähnen und nach hinten gelegten Ohren aus der hintersten Ecke hervor. Satteln und Zäumen war kompliziert. Artete in Steigen mit Hinterhandwendung und Tretversuche aus, in der Box eine brandgefährliche Sache.
- Hinten anfassen und Putzen (ab mitte rücken nach hinten schon !) war gefährlich. Seit einem angeblich missglückten Deckversuch ließ sie sich nicht berühren. Hatte Panik dass man ihr anscheinend was antut. Hat dann ohne Vorwarnung ausgeschlagen.
- Führen war ein riesen Problem .... am Halfer nicht möglich, da schleifte sie alle so lang herum bis der Betroffene den Strick losließ.
- Aus diesem Grund durfte sie nur vom Reitlehrer aus der Box geholt werden, der sie in der Box mit Hilfe von einem Pferdepfleger herrichtete. Putzen blieb meist auf der Strecke. Nach der letzten Reitstunde wurde sie auch wieder vom RL in die Box gebracht. Weil absattteln war genauso furchtbar... steigen und Versuche den Reiter an die Boxwand zu quetschen.
- Reiten ging, wenn man erst mal oben auf ihrem Rücken war, war sie brav. Aber außer im Kreis laufen konnte sie aber gar nichts.

Bei mir, damals 9J., 6Monate Reitunterrricht, hat sie nicht gebissen. Ich habe in meinem Thread ("Patsy") ausführlicher erzählt. ich musste immer auf ihr Reiten, da ich auch nicht viel konnte, und die anderen wollten nicht auf ihr Reiten. Patsy hatte irgendwie von Anfang an in mich vertrauen - von einem 9J. alten Mädchen drohte ihr anscheinend keine Gefahr. Sie hat mich nie aggressiv in der Box angegangen, hat sich bei mir im großen und ganzen halbwegs normal verhalten. ich war die erste Person, der sie anscheinend vertraut hat. Das Problem mit dem Hinten anfassen hielt sich lange. Es dauerte ca 1 Jahr, bis ich zb ihren Schweif anfassen konnte ohne dass ich in Hab acht stellung sein musste.
Beim Zäumen und Satteln musste meine Mutter immer helfen (ich war sehr klein). Das ließ sich mit neuem (passenden) Sattel, viel leckerli und Vertrauen gut in den Griff kriegen.
Am Putzplatz anbinden ging lange nicht. Nicht weil sie nicht brav war, sondern wegen der anderen Pferde. Sie hasste alle anderen Pferde, versuchte immer alle zu attackieren. Am Putzplatz wäre Krieg ausgebrochen. Sie war auch mit keinem anderen Pferd auf der Koppel, sondern allein. Sie mochte keinen der angebotenen potentiellen Koppelpartner, und andere Einsteller wollten ihre Pferde nicht mit ihr zusammenstellen. So blieb sie allein.
Da sie am entspanntesten in ihrem Hoheitsgebiet - dieBox- war, hab ich sie da geputzt und versorgt.
Führen war weiterhin ein THema. Meine Mutter hat sie für mich immer aufgetrenst geführt. Sie ist ihr ein paar Mal auch entwischt. Hat sich aber schnell über Vertrauensbildung gelöst das Problem.
Auch das Männerproblem blieb hartnäckig. Mein Vater durfte nie mitkommen um mir beim satteln zu helfen etc.

Reiterlich passierte anfang nicht viel . Sie war brav, sind im Kreis geritten. Ich konnte nichts, sie konnte nichts. Aber wir liebten uns heiß und innig - sie hat mich von weitem gesehen und gewiehert und an die Boxtür getreten, ich war mit 9 Jahren über beide Ohren in mein erstes eigenes Pferd verknallt. Sie hätte auch 3 Beine haben können - es hätte nichts geändert=)
Ich konnte nicht wirklich reiten, meine Schenkel reichten kaum bis über die Pauschen raus. Was mir aber auffiel: Patsy hörte super auf meine Stimme, von Anfang an. Ich habe sie nur über STimmhilfen geritten. Vor allem bei unseren ersten Ausritten. Die kürzeren Bügel in meinem ersten Springsattel bedeuteten, dass meine Ferse nicht unterhalb des Sattels lag; Hilfengebung also Fehlanzeige. Habe sie nur über Stimme anhalten können. Da Gruppenausritte furchtbar waren, bin ich ab irgendeinem Punkt heimlich allein ausgeritten.
Ohne die Konkurrenz anderer Pferd heizte sie sich nicht auf und war ruhig zu reiten.
Ich hatte diverser Bereiter und RL die mir helfen sollten Patsy zum Reitpferd zu machen, auch eine ältere Reibeteiligung, die Kl.L auf Turnieren ritt. Es folgte eine Odyssee von wechselnden Bereitern, die alle nichts bewirken konnten, eher mehr Baustellen setzten. Der eine überforderte sie, der andere machte sie gebissscheu. Patsy hatte Panik vor Gerten. Wenn ein anderer Reiter in er Bahn für sein Pferd Gerte einsetzte, genügte das Geräusch, und sie ist durchgedreht. War mit einem Mal klatschnass, Augenrollen, Angst. Da half nur absteigen und absatteln.
Nach einiger Zeit erklärten es alle für hoffnungslos. Ich hatte per Zufall einen VS-Ausbilder kennengelernt. Er hatte eine ganz andere Art. Durch ihn haben wir beide dann gemeinsam richtig reiten und Springen gelernt. War ein Prozess über mehrere Jahre.

Heute ist sie ein absolutes Herdentier, steht mit 30anderen 12h auf der Koppel. Das ist erst seit wenigen Jahren so. Wie sie 13 War haben wir sie zu uns in einen Freizeit/Westernpachtstall gestellt. Ich hatte megabammel. Alle anderen meinten relaxed: na die werden sich schon zusammenraufen. Steck sie dazu. in einem Monat lieben sie sich alle heiß und innig.
Ich war verblüfft über die Entspanntheit der Westernreiter... vorher war ich nur in großen Turnierställen... da haben alle nur gepanikt wenn sie Patsy von weitem gesehen haben.
Und ich muss sagen: nach 2 Wochen hat sie sich mit vielen anderen Pferden der Herde angefreundet und geknabbert. Innerhalb eines Vierteljahres ist sie zu einem lieben und freundlichen Koppelpferd mutiert, dass alle anderen Artgenossen liebt und kuschelt ! Hätte ich nie gedacht !


Wenn ich wieder ein VB holen würde:
- Ich würde versuchen es von Anfang an in einer großen enstpannten Herde zu halten. Die Sozialisierung macht die Pferde so entspannt.
- Ich würde wieder nur auf mein ganz persönliches Bauchgefühl hören, und mich nicht von blöden Kommentaren runterziehen lassen.
- Ich würde keine RB am Anfang suchen. Ich würde alle typischen Dressurausbildungsmethoden einer genauen Prüfung unterziehen.
Da ich mittlerweile ein paar Pferde auch selber eingeritten habe, und mit Patsys Vorbildung, würde ich versuchen es selber umzuschulen. Keine zig Bereiter nur weil sie einen klasse Ruf haben draufsetzten.
- Meine Erfahrung ist, dass VERTRAUEN die Basis ist, nicht die absolute reiterliche Fertigkeit. Ich würde von Anfang an querdenken, und nicht alles nach Schema F des Warmblut Dressurmantras machen.
- Aufs PFerd und Bauchgefühl hören. und NUR auf das.
- sich lange Mühe machen wirklich einen Trainer/RL/ Ausbilder zu suchen, der einem wirklich helfen kann und sich in diesen speziellen PFerdetypus einfühlen kann. Es ist Gold wert so jemand an seiner Seite zu haben. Aber es gibt sehr sehr wenige.
- Und ich würde mir nur noch einen Blüter holen!

Ich weiß nicht mehr wer von euch hier im Forum diesen Satz geschrieben hat, aber ich fand ihn absolut klasse, weil er mir aus der Seele spricht:
die Pferde, die dir die meiste Mühe und Tränen bereiten, werden am Ende die, die dich am meisten freuen lassen, dein engster Partner werden und die du niemals mehr missen möchtest.

#33 RE: Grosse Anfangsprobleme allgemein von Taff 04.09.2013 22:30

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Sehr gut gesprochen Victoria, sehr gut

#34 RE: Grosse Anfangsprobleme allgemein von Sany 21.01.2017 00:03

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Dieser Tread gefällt mir sooo gut!
Ich glaube, ich habe alle Beiträge gelesen und musste echt lachen - vieles kommt mir irgendwie bekannt vor...

Vorstellungsgespräch über Lina mit den Vorbesitzern

1. Sie steigt, wenn sie von ihren Artgenossen weiter als 50 m entfernt wird
2. Lina parkt und steigt anschließend bei Spaziergängen, egal ob mit oder ohne (Pferde-) Begleitung
3. auch soll sie gebockt haben und den Flachundweg meisterlich auf jeder noch so kleinen Fläche, aus jeder Gangart und Biegung beherrscht haben, mit und ohne Reiter
4. Sie muss sehr kurz angebunden werden beim putzen, sonst reißt sie sich los
5. Hufe kratzen geht ganz gut mittlerweile, wir stellen uns immer so, dass wir nicht getreten werden können
6. sie ist aber trotzdem unheimlich menschenbezogen und sucht auch die Nähe zum Menschen
7. und eigentlich ist sie eine ganz liebe. In der Box kann man sie immer und überall anfassen, das stört sie nicht, es gefällt ihr sogar.

Danach dachte ich "oh mein Gott..." und bin eine Woche später zum Probereiten in der Halle mit Begleitpony wieder hin gefahren.

1. Vorreiten unter dem Besitzer (nach Ca 5 Min)
ich dachte:"ach du grüne Neune!"
2. Proberitt unter mir (nach Ca 4,19 Sek)
ich dachte:"ach du heiliger Bimbam!!!"
....

Der Tag, an dem sie bei mir angekommen ist

1. Pony auf Platz gelassen (eigentlich ist ja nie jemand da... es sei denn, ein neues Pferd kommt...)
- Laut wiehernd Spurrillen in den ersten Hufschlag gegraben - im Galopp, natürlich
- klatschnass geschwitzt, gewälzt, weiter gelaufen
- kurze Verschaufpause, dann der ganzen, nur von Pferden sichtbaren Monstern ansichtig geworden, weiter gelaufen
- gewälzt, während dessen hat ein Ast geknackt, aufgesprungen ohne Verletzung (Donnerwetter!!!), weiter gelaufen
-....
2. Vollblöd vom Platz runterholen (wollen)
- Reaktion Vollblöd:"MONSTER! Überall!!!" Bockend, springend, schnaubend über Platz getobt, Ca 1 Std
- Reaktion Zuschauer: "ist Strom auf dem Platz? Hast du dir das mit der gut überlegt?" ("Nö, aber ich wollte sie trotzdem haben.")
- Reaktion VorBes: "Ohhhh!"

Ich habe sie jetzt Ca 3 - 4 Jahre und kann ihre damals beschriebenen Eigenschaften immer noch nicht bestätigen, sie hat bei mir nur einmal beim reiten versucht zu steigen. Fand ich eine blöde Idee und habe ihr das auch klar gemacht, Problem gelöst.
Das einzige, was sie ganz bitter nötig hatte, waren Grenzen und das hat damals keine zwei Wochen gedauert, dann war die Basis geklärt.

Seitdem und auch jetzt noch reiten wir regelmäßig mit anderen in wechselnden Konstellationen aus, von sehr ängstlich bis voll sicher.
Wobei Lina und ich eindeutig zu letzteren gehören.
Und es ist immer wieder das gleiche: die Lina im flotteren Grundtempo mit meistens gedanklich abgeschweifter Reiterin voran, hinter uns der Rest, der iwie immer ziemlich nervös nach vorne äugt.
Ich betrachte unsere Umgebung (Lina auch) und denke (manchmal sage ich es auch)" der Baum liegt da aber auch schon länger... muss viel geregnet haben, Bach ist wieder recht breit, ach gucke mal, ein Reh..." merke, wie das linke Vorderbein etwas kürzer aufgesetzt wird, das Pony minimal größer wird... Dann ein gehender Hüpf-stauner zur Seite.
Hin und wieder dann ein Kommentar von mir:"Ja, ganz furchtbar schrecklich, wirklich. Biste fertig? Toll." Gedanken schweifen schon wieder weiter, von hinten dann:" äh, alles gut? ", ich dann: "ja klar, Wieso? Was ist denn? Alles gut bei euch?" Verlegenes räuspern:"äh ja, klar, alles gut..." (da muss ich regelmäßig grinsen...)
Ähnlich beim Anbinden. Lina kann man ohne weiteres rausholen, anbinden und stehen lassen.
Aber WEHE!!! ihre Herde verschwindet aus ihrem Blickfeld. Dann wird gehampelt und gezogen (dreifache Apokalypse), Miteinsteller werden dann oftmals nervös und fragen sich gegenseitig, wo ich bin und gehen auf Sicherheitsabstand. Meistens ist es so, dass ich dann kurze Zeit später aus irgendeiner Ecke auftauche, an Lina vorbei gehe (vorbei, NICHT hin - für alle da immer vollkommen unverständlich, immerhin regt sich das Pferd gerade auf) und meistens sowas wie:" Du mich auch / reg dich ab / gib alles / buh! / fertig?! " von mir gebe und unbeeindruckt weiter mache. Was Lina unglaublich beeindrucken muss, sie hört quasi sofort auf und vergisst ihre eben begonnende Apokalypse...

Humor ist unglaublich wichtig 👍🏻

#35 RE: Grosse Anfangsprobleme allgemein von Sunnyboy75 21.01.2017 10:52

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Ich glaub, den Fehler mit den Hufen machen auch viele. Blüter geben die Hufe oft von selbst in einer gewissen Reihenfolge. Da muss man die Beine nicht anfassen, sondern nur nehmen, wenn die Pferde sie selbst hochhalten. Meine haben das ausnahmslos alle so gemacht (die Traber übrigens auch) und konnten es nicht leiden, wenn jemand da so zugegriffen hat. Cowboy reagiert da echt allergisch. Dann schreien immer alle, der würde treten, nur weil er mitdenkt und manchmal den Fuss schneller hochnimmt als ich am Hinterbein sein kann.

#36 RE: Grosse Anfangsprobleme allgemein von smarten die 21.01.2017 21:37

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Das mit dem Hufe-geben von der "falschen" Seite hab ich mir zu Nutze gemacht. Anfangs so, wie das Pferd es kannte. Dann zunehmend verändert. Ganz schnell hat sowohl Smartus als auch Jockel begriffen, dass der Fuß dran ist, an den ich tippe, oder neben dem ich stehe.
Und ja, sie sind anders, weil es im früheren Leben andere Prioritäten gab. Aber sie sind wach genug, zu lernen, dass es auch anders gehen kann. Wenn der Mensch mit Sensibilität ran geht.

#37 RE: Grosse Anfangsprobleme allgemein von Victoria_L 22.01.2017 11:40

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Bei Magic ist es auch so. Ich stelle mich neben das Bein, tippe an und sie gibt von selber. Die will nicht, dass ich das Bein "packe" . Sondern es einfach nur halte, wenn sie es von selber gibt.
Genauso beim Trensen. Sie will kein Gebiss ins Maul geschoben bekommen. Sie will es selber nehmen. Also sortiere ich die Riemen, halte das Kopfstück ihr hin, sie denkt dann von selber den Kopf und nimmt das Gebiss auf und dann erst darf ich das Kopfstück über die Ohren stülpen und fertig anziehen. Wiegesagt- sie schlüpft gerne und freiwillig selbst rein, will nicht einfach ein Gebiss reingeschoben bekommen. Für mich dauerte es ne weile vis ichs kapiert hatte, denn von Patsy war ich gewohnt dass sie bei zäumen gerne mal testet und man sich schon durchsetzen muss bis das Ding am Pferdekopf ist. Und wenn man das automatisch seit 10 Jahren so kennt, braucht man ne weile bis man kapiert dass das "neue" Pferd das Ding von selber und allein anziehen will und eben nicht mit Konsequenz und auf Militärdrill Modus gezäunt werden will. Akzeptanz der Marotten des jeweiligen Pferdes ist auch wichtig. Die sind wie sie sind und man sollte Rücksicht auf gewisse Vorlieben und Eigenheiten nehmen. Sonst endet es als Kampf.
Ein Blüter der von etwas nicht überzeugt ist, den kriegst du nirgendwohin. Und wenn du versucht es als Kampf durchzusetzen endet das nicht irgendwann mit Kapitulation und Einsicht des Pferdes. Sondern als Suizidversuch des Reiters.

#38 RE: Grosse Anfangsprobleme allgemein von Neshad 22.01.2017 12:52

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Ganz richtig, Vic...

Beim gestrigen Ausritt lag ein Baumstamm mit viel Geäst quer. Drüber reiten nur mit Verheddern vielleicht irgendwie möglich.
Links war aber zwischen Hang (also als Wand, nicht bergab als Schlucht) und Baum genau eine "Pferdebreite" Platz. Pferd musste aber halt in den "Graben", der 10 cm tief war. Und genug breit genau passend für ein Pferd.
Pferd drei Mal mit NEEEEEIN!!!! und Kopfgeschlage umgedreht.
Reiterin (ich): *seufz* "Allerhopp..." abgestiegen, durchgeführt (was selbstverständlich PROBLEMLOS ging, der hat nicht mal gezuckt oder einen schnelleren Schritt gemacht ) und einfach kommentarlos wieder aufgestiegen...
Wat soll der Geiz. Ist den Kampf nicht wert.

#39 RE: Grosse Anfangsprobleme allgemein von Warwing 22.01.2017 14:43

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@Nesahd: genauso wäre es mit Ww auch gewesen. Erst keinen Weg sehen, die Situation zu überleben und das genauso deutlich zeigen und dann schäfchenbrav hinterhertrotten.
Wie war das? Absteigen muss man als VB-Reiter abkönnen.

#40 RE: Grosse Anfangsprobleme allgemein von Shirana 22.01.2017 15:56

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Jap, Ihr Lieben!
Auch wenn ich's immer wieder auch peinlich finde, unterweg runter und später wieder aufzusteigen... es bleibt einfach keine wirkliche Wahl. Was soll's?

Und wie viel Lust mein Pferd auf Arbeit hat, merke ich auch schon beim Trensen. Es gibt Tage, da kann ich das Bitless Bridle gar nicht schnell genug auseinanderziehen, damit sie ihren Kopf da reintauchen kann. (Ihr wisst schon, diese überkreuzten Bänder). Und es gibt Tage, da dreht sie sich weg. Meistens aber taucht sie brav langsam die Nase in das vorgehaltene Zaumzeug. Dann ist sie auch brav bei der Arbeit (zumindest besteht eine Chance...)

#41 RE: Grosse Anfangsprobleme allgemein von smarten die 22.01.2017 18:54

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Trensen geht bei uns ähnlich: Ich hänge den Zügel über den Hals (meist mach ich ihn in der Box fertig, während er weiterfrißt), dann hebt er den Kopf und dackelt mit in die offene Tür, weit genug, dass er sich, falls er den Kopf mal hochschmeißen sollte, nicht oben stößt. Dann halte ich (mit Blick von vorn auf ihn) die Trense hin, sage sowas wie "Hopp" oder "Einsteigen" oder so, und er taucht rein, schiebt mit den Lippen das Gebiss zurecht und nimmts. Manchmal gibts Zeiten, da muss ich besonders schnell sein, weil er sofort reinbeißt, egal, ob er das Gebiss erwischt oder Leder. Oder er guckt erst zum Nachbarn rüber und kontrolliert irgendwas.
(Bei Smartus war das ähnlich. Der WOLLTE arbeiten!)
Nach dem Reiten sattele ich vor der Box ab, stecke ein Leckerchen rein, sage: "Bitteschön" und er geht in die Box. Sobald die Tür zu ist steckt er den Kopf raus und guckt vorwurfsvoll. "Wo bleibt mein Essen!!!"
Nochwas: Nach der Arbeit, besonders am Boden, fährt er immer den Schlauch aus. Der hängt dann entspannt runter, ich kann ein bißchen saubermachen. Die Leute amüsieren sich dann gerne oder denken, er muss Piseln. Mein Reitlehrer ist überzeugt, dass er mit der Arbeit zufrieden und entspannt ist, sagt aber jedesmal amüsiert: "Na, da hast du ja mal wieder eine ganz besondere Wirkung auf dein Pferd!"

#42 RE: Grosse Anfangsprobleme allgemein von Shikari 08.10.2019 10:13

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Oooh, hier schließe ich mich an
Anbinden war Drama, Stuti hat aufgedreht wie noch was und Gott sei Dank habe ich immer eine Schlaufe aus Wurstkordel im Halfterring, an den ich den Strick mache (heut' noch...), dass,
wenn sie sich ins Halfter hängt, der direkt abreißt. Und dann steht sie da wie eine Salzsäule und guckt blöd, nach dem Motto 'hä, ok, jetzt bin ich lose, aber was nu?'
Am Anfang ist sie danach einmal im Affenzahn zurück zu den Paddocks geprescht Inzwischen steht sie aber alleine sehr entspannt und lässt sich schön putzen, außer, ich
entferne mich vom Putzplatz, da wird dann der Arsch wild hin und her gedreht und gescharrt, dass die Muddi ja nicht denkt, alleine abzuhauen
Spazierengehen war auch ein riesen Act, überall Geister und Gespenster, bei besonders guter Laune im Kreis um mich rumtanzen und an mir vorbeirennen, in der Hoffnung, dass
ich die Lust verliere und umdrehe. Inzwischen ist es nur noch hin und wieder blöd gucken, aber Fräulein hat akzeptiert, dass sie mitgehen muss.
Was sie auch nicht toll findet, ist, wenn Pferde von der Koppel geholt werden. Also IHRE Freundinnen. Da wird dann entweder über den Zaun gesprungen (danke an den VS Reiter,
der ihr das Springen so schön beigebracht hat) oder nach Lust und Laune auch mal die Litze gecrasht und dann hinterher gelatscht Deshalb kommt sie meistens in den Paddock, wenn
mal wieder Reitstunde ist und die anderen Damen nunmal ihre Arbeit verrichten müssen.
Hufe geben war am Anfang auch nicht so einfach, bei der Vorbesitzerin hat sie drei Jahre keine Hufe gemacht bekommen, weil sie niemanden an sich rangelassen hat. Jetzt klappt
das Gott sei Dank einwandfrei und unsere Hufpflegerin hat auch immer ein Leckerli dabei, sodass Madame dann auch mal bestochen werden kann :D
Bauch anfassen ging gar nicht, direkt Ohren angelegt und und drohend den Huf gehoben, aber seitdem sie eine Omeprazolkur bekommen hat und jetzt jeden Tag Magenschoner kriegt,
ist auch das kein Problem.
Uuund unsere fortwährend größten Probleme sind alles, was mit Reiten und Equipment drumherum zu tun hat. Ich habe keinen blassen Schimmer, was der Kerl, der sie früher geritten
hat, gemacht hat, aber es kann nichts gutes gewesen sein. Sobald man mit Sattel (bei mir baumlos) ankommt, macht sie große Augen und beim Auflegen rennt sie panisch hin und her.
Bei der Trense genauso, momentan reite ich sie gebisslos, aber alles, was wie Trense aussieht, ist ein Feind. Also, sobald das Halfter ab ist, gibt's die Flucht nach vorne und nichts wie weg.
Wenn dann mal alles sitzt und man aufgesessen ist, ist sie tiefenentspannt, läuft super - zumindest Schritt und Trab - und schnaubt auch ab, als wäre vorher nix gewesen. Aber der Prozess
bis dahin ist echt sehr schwierig.
Was aktuell noch gar nicht geht, ist unter dem Reiter galoppieren. Anfang Juli ist sie im Gelände mit mir so abgegangen und hat dabei dermaßen gebuckelt, dass ich volle Karacho im
Schotter gelandet bin, eine Nacht im Krankenhaus lag und danach zwei Wochen krankgeschrieben war Das war auch der Grund, weshalb sie auf Kissing Spines geröntgt wurde,
aber da ist ja glücklicherweise alles in Ordnung.
Also wie ihr seht, haben wir noch einiges an Arbeit vor uns...im Umgang ist sie sonst glücklicherweise ein absoluter Schatz und lässt sich auch von Kindern am kleinen Finger führen. Alles
andere bekommen wir hoffentlich mit der Zeit auch noch hin
Wenn jemand Tipps hat, sehr gern her damit!

#43 RE: Grosse Anfangsprobleme allgemein von Victoria_L 08.10.2019 13:35

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Oh weh. Leider keine Seltenheit.
Anbinden, und irgendwo geparkt werden, sorgt oft für viel Stress. Können nicht Still stehen, stressen sich rein, brauchen Zeit. Das ist oft so. Also... Zeit Zeit Zeit geben.
Magen ist leider auch oft Thema.
Manche sind halt richtige Stressnudeln... sie werden nie so ruhig wie die WB irgendwo stehen. Was du tun kannst, ist erst mal in der Box satteln etc. Und wenn das ruhig geht, anbinden und da satteln üben.
Wenn sie gelernt haben , über Zäune zu springen, hast du leider ein großes Problem, weil das kann man denen kaum abgewöhnen und ein normaler E Zaun um die koppeln ist für die meisten springveranlagten Pferde kein Problem.

Zum Sattel: viele haben eher Probleme mit dem gurten als mit dem satteln. Gurtzwang + Magen machen 99% des Dramas aus.
Wenn sie auch noch rückenempfindlich sind - ist ein baumloser Sattel leider oft die schlechteste Wahl. Es ist, auch wenn es anders scheint, am Ende vom Tag das pferdefreundlichste, in einem exakt passenden guten Qualitätvollen baumsattel zu investieren.

Hier reiten einige Gebisslos, zB shirana, die kann Dir da bestimmt auch noch Tipps geben.
Viel Erfolg euch!!

#44 RE: Grosse Anfangsprobleme allgemein von Shikari 08.10.2019 13:57

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Das Anbinden ist ja kein Problem mehr, das findet sie wirklich nur noch doof, wenn ich weg gehe. Ansonsten steht sie ruhig :)
Das mit dem Rüberspringen hat sie bisher zwei mal gemacht und das war leider nicht der E-Zaun, sondern der hohe Holzzaun :( Die Litze sind nur am Eingang und da ist sie
dann einmal durch...ich hoffe einfach, dass sich das mit der Zeit noch gibt. Sie ist einfach ein super unsicheres Pferd, an einem Tag mega entspannt, am anderen ist wieder alles unheimlich
Zum Sattelthema, im Rücken hat sie keinerlei Probleme, da kann man rumdrücken und machen und tun, keinerlei Verspannungen. Wenn ich nur ein Bareback Pad drauf mache, ist das auch kein
Thema für sie und da zeigt sie auch keinerlei Probleme beim Gurten. Aber sobald etwas auf den Rücken kommt, was statischer ist, wird es ihr unheimlich. Ich weiß nicht, woher es kommt, kann mir nur
anhand einiger Infos aus ihrer Vorgeschichte zusammenreimen, woran es liegen könnte. Wegen drin satteln, Box hat sie keine, sie steht momentan noch 24 h auf der Weide und anschließend im Paddock mit
Unterstand.

#45 RE: Grosse Anfangsprobleme allgemein von Neshad 08.10.2019 16:20

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Haaalt Stopp!! Meiner steht ruhig wie auch WBs das tun (und die müssen ja nicht alle ruhig stehen...) *nur mal so reinwerf* Aber auch nicht schon immer!

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